Die Haut schlägt Alarm

Datum: Donnerstag Oktober 18, 2007
Posted in: Gesundheit

Arzneimittel-Allergie Die möglichen Auslöser sind zahlreich, aber schwere Reaktionen treten nur selten auf
Mehrere Tausend Arzneistoffe sind derzeit in Deutschland auf dem Markt. Sie lindern nicht nur Beschwerden, viele davon sind für die Patienten sogar lebensnotwendig.
Manchmal haben Arzneimittel jedoch auch Nebenwirkungen. Am häufigsten nennen die Hersteller allergische Reaktionen in ihren Beipackzetteln. Meist handelt es sich dabei um Hautreaktionen wie Rötungen, Juckreiz und Brennen der Haut oder Schleimhaut sowie Schleimhautschwellungen, manchmal jedoch auch um Fieber oder Unwohlsein. Nur sehr selten treten schwere Reaktionen wie Asthma oder gar allergische Schockzustände auf.
Doch nicht immer ist eine echte allergische Reaktion die Ursache für Symptome wie Hautausschläge, Gesichtsschwellungen oder Atemnot. Dahinter kann auch eine Medikamentenunverträglichkeit oder eine Pseudoallergie stecken – je höher die Dosis, desto stärker die Beschwerden. Wird das Medikament abgesetzt, verschwinden die Symptome schnell wieder. Bei echten Allergien genügt dagegen schon die kleinste Menge des Wirkstoffs, um eine Reaktion auszulösen.
Vielzahl an Übeltätern
„Eine klassische Arzneimittel-Allergie tritt typischerweise nicht bei der ersten Einnahme des Arzneimittels auf, sondern bei der erneuten Anwendung, da zunächst eine Sensibilisierung stattfindet”, erklärt Dr. Maja Mockenhaupt, Leiterin des Dokumentationszentrums für schwere Hautreaktionen an der Universität Freiburg.
Theoretisch kann fast jeder Wirkstoff ein „Übeltäter” sein. Statistisch gesehen führen aber Penicilline, das Antibiotikum Cotrimoxazol sowie einige Antiepileptika und Chemotherapeutika bei manchen Menschen häufiger zu unangenehmen Reaktionen. Und schließlich sind nicht selten pflanzliche Präparate wie Kamillen- oder Sonnenhutextrakte an Unverträglichkeiten und Allergien beteiligt.
Aber nicht nur die Wirkstoffe, sondern auch die Fülloder Hilfsstoffe können eine Allergie auslösen. Dann hilft häufig schon der Wechsel zu einem Präparat eines Herstellers, der andere Hilfsmittel verwendet. Ihre Apotheke kann Sie auf jeden Fall beraten.
Wer kurz nach Einnahme eines Medikaments eine allergische Reaktion bemerkt, konsultiert am besten umgehend einen Arzt. „Keinesfalls sollte ein Betroffener ohne Rücksprache mit dem Arzt Medikamente einfach absetzen”, warnt Mockenhaupt. Wichtig sei auch, sagt die Dermatologin, dass der Patient alle angewendeten Medikamente notiert oder zum Arzt mitnimmt.
Auslöser meiden
Basis bei der Diagnose einer Soforttyp-Allergie ist eine sorgfältige Anamnese. Bluttests sind derzeit nur für Penicilline aussagekräftig, Hauttests für Penicillin und örtliche Betäubungsmittel. Zeigen Hauttests keine eindeutig positiven Reaktionen, bleibt nur ein Provokationstest zur Klärung. „Dabei werden unter stationären Bedingungen auch mögliche Ausweichmedikamente getestet, um festzustellen, welche Arzneimittel der Patient zukünftig erhalten kann, wenn er diese benötigt”, erklärt Mockenhaupt. Denn Allergiker müssen das entsprechende Medikament strikt meiden. Fast immer sind aber andere, besser verträgliche Alternativen erhältlich.

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